Donnerstag, 29. Mai 2014

3. The Muslims - The Muslims LP


Dass der Name für eine Band nicht ganz geschickt gewählt ist, dürfte klar sein. Besonders wenn die Bandmitglieder offensichtlich gar keine Moslems sind. Dass die Band aus San Diego dann auch später ihren Namen in The Soft Pack geändert hat ist nur konsequent, wenn man bedenkt, dass ignorante und rassistische Kommentare - welch Wunder - sie begleiteten. Weshalb die Band aber die Vinyl-Version ihres Erstlings mit Pistolenschüssen durchlöcherten, irritiert dann doch ein wenig. Dabei mag ich auch gar nicht spekulieren, welches Statement wohl dahinter steckt. Ich stieß damals darauf, weil ich mich intensiv mit Bands aus San Diego beschäftigte. Trotzdem überlegte ich mir gut, mir das Teil zuzulegen. Ich entschied mich dafür, da das "Artwork" (soll man es wirklich so bezeichnen?) zwar irritierte, auf der anderen Seite aber auch radikal und einzigartig war. Und in der Hauptsache gefiel mir auch die Musik. Und die sollte ja dann doch schlussendlich immer das letzte Wort haben.

Dienstag, 20. Mai 2014

2. Rocket From The Crypt - Cut carefully and play loud 12"


Hätte ich das Ding zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gekauft, es hätte mich wahrscheinlich wahnsinnig gemacht. Nicht wegen der Musik, selbstverständlich nicht. Da haben RFTC natürlich wieder einmal alles richtig gemacht und einige der stärksten Songs ihrer Karriere rausgehauen (man höre sich nur "Waste it" an). Nein, die Verpackung wäre es - welch Überraschung bei diesem Blog - gewesen, die mir Kopfzerbrechen bereitet hätte.


1999 hatten RFTC diese Idee, die den Sammler vor die Frage stellte: Soll ich wirklich eine originale und vor allem originelle Verpackung zerstören, um Musik zu hören? Um diese Frage zu provozieren,  machte sich die Formation aus San Diego den Umstand zunutze, dass es Plattenhüllen auch mit einem Loch rund um das Label in der Mitte gibt, wie hier zu sehen (im Bild die Rückseite der Platte). Dieses Loch überklebten sie auf der Vorderseite mit einem großen  Sticker, sodass Platte und Hülle fest miteinander verbunden waren . Nun, was aber tun, um an die Musik zu kommen? Natürlich rund um das Loch schneiden, um so Platte und Hülle voneinander zu trennen. Deshalb auch der Titel der Platte: Cut carefully and Play loud .


Keine leichte Entscheidung, wenn man das Design der Platten mag und diese möglichst erhalten will. Vielleicht aber war es aber auch genau das, was RFTC im Sinne hatten: Die Fokussierung aufs Wesentliche, die Musik. Das ganze Drumherum nicht ernst zu nehmen und sich voll und ganz für die Musik zu entscheiden und sich dieser hinzugeben. Ein bisschen sadistisch ist das schon.


Ja, 1999 hätte mich das wahrscheinlich wirklich vor eine schwierige Entscheidung gestellt. Denn zwar gab es damals (klingt das beknackt, sind aber schon tatsächlich 15 Jahre her) bereits CDs. Dem Silberling hätte ich damals auch noch klar den Vorzug gegeben vor dem Vinyl. Nur blöd, dass das Ding damals nur auf Vinyl veröffentlicht wurde. Also, was hätte ich getan? Ich hätte mir wahrscheinlich einfach zwei Exemplare gekauft. Eins zum zerstören, das andere zum angucken. So weit kam es nicht. Denn bevor ich das Original in die Finger bekam, hatte ich schon längst den Rerelease auf CD - 2002 mit dem anderen Vinyl-only-Release "Hot Charity" zusammen erschienen - gekauft. Als es dann so weit war, und ich mir "Cut carefully and Play loud" auf Vinyl dann endlich zu meiner Sammlung hinzufügen konnte, kannte ich die Platte mittlerweile in- und auswendig. Und so steht das Ding nach wie vor ungeöffnet im Regal. In diesem Fall verzichte ich einfach mal gerne auf den Vinyl-Sound. Auch wenn es nicht immer leicht fällt.



Samstag, 17. Mai 2014


1. CPC Gangbangs - Kill yourself for Rock 'n' Roll 7"


Sex, Drugs & Rock 'n' Roll - die CPC Gangbangs aus Kanada waren wohl einer der letzten und extremsten Vertreter dieses Klischees. Zumindest wenn man danach geht, wie sich die Bands auf ihren Tonträgern - musikalisch wie textlich - präsentierte. Räudig, psychadelisch, angepisst, zerstörerisch - mit einer Gitarre, die zeitweise wie B.B. King auf Speed klingt.  Seit ihrem ersten und einzigen Album "Mutilation Nation" wusste ich, dass ich alles von dieser Band haben musste. Dazu gehörte dann natürlich auch "Kill yourself for Rock 'n' Roll", was ihr letztes musikalisches Lebenszeichen sein sollte, ehe sich die Formation auflöste. Als ich das gute Teil dann schließlich in den Händen hielt, war ich ganz baff. Auf Vorder- und Rückseite wird Schritt für Schritt erklärt, wie man sich einen Schuss setzt. Die Bilder sprechen für sich. Keine Ahnung, ob das wirklich so funktioniert, schließlich habe ich noch nie Heroin genommen. Aber irgendwie eine coole - vom Aufmerksamskeitsfaktor her betrachtet - und scheiß Idee zugleich.
Eines ist das Design für die CPC Gangbangs aber: authentisch und logisch. Wenn ich mich nämlich recht an einen Artikel in irgendeinem Fanzine entsinne, hat sich die Band aufgelöst, weil einer oder mehrere Mitglieder wegen Drogen für eine längere Zeit in den Bau wanderte(n). Die verbliebenen Musiker machten dann weiter in Bands wie PyPy, The Night Marchers oder dem Musiker-Kollektiv Red Mass.


Achja: hier die Bilder:

https://lh6.googleusercontent.com/-_rNJgXq8hbU/U3erCtPZiHI/AAAAAAAAAG4/YcwS8l2dm08/w882-h844-no/CPC+1.jpg


https://lh3.googleusercontent.com/-GPUQMCa2Ano/U3ekcRwAROI/AAAAAAAAAGE/5ksVoKCeOdw/w861-h844-no/CPC+2.jpg

Was ist das hier? Warum ein Blog?

Keine Ahnung. Wieso rezensiert man Platten? Warum widmet man Ausstellungen oder Konzerten eine Kritik? Warum empfiehlt man Freunden den Besuch eines Kinofilms? Im Prinzip geht es doch darum, mit anderen Erfahrungen zu teilen. In diesem Falle handelt es sich um Musik. Genauer: Die Verpackung der selbigen. Dem einen -  das ist Sammlern wie Musikern gemein -  ist sie einfach egal, für den anderen gehört sie zum Kunstobjekt Musik einfach dazu. Für mich ist die Optik teilweise sogar der Grund gewesen, manchen Tonträger überhaupt zu kaufen. Einfach weil ich beeindruckt, schockiert, abgestoßen, amüsiert oder manchmal alles zugleich war. Es ist einfach schön zu sehen, dass sich Künstler wie Labels Gedanken machen, der Musik das entsprechende Beiwerk an die Hand zu geben und es so aufzuwerten. In meinem Blog werde ich in loser Reihenfolge ein paar GestaItungs-Ideen präsentieren, die etwas abseits der Norm sind. Abseits von schnödem Gatefold-Cover und farbigem Vinyl. Würde mich freuen, wenn es dem einen oder anderen gefällt und sich an Design, Kunst und Statement der Tonträger erfreuen kann.


Viel Spaß